Kategorie-Archiv: Design

Artdirektor Editorial Design

Arbeitgeber: Profilwerkstatt
Einsatzort: Darmstadt
Anstellungsart: Fest

Wir suchen ab sofort einen Artdirektor Editorial Design in Vollzeit für das Haus der Contentexperten in Darmstadt.

Nicht der Kanal entscheidet über den Erfolg von Kommunikation – es ist der Content, der entscheidet. Davon sind wir überzeugt. Die Pro lwerkstatt gehört mit mehr als 70 Mitarbeitern zu den Top-10-Agenturen im Bereich Corporate Marketing in Deutschland mit Büros in Darmstadt, München und Düsseldorf. Wir entwickeln seit mehr als 20 Jahren Medien und Storys, die Menschen für Unternehmen einnehmen.

Denn wir erzählen die richtigen Geschichten zur richtigen Zeit den richtigen Leuten.

Deine Aufgaben als Artdirektor

Du hast Spaß daran, Layouts zu entwickeln – Print und Digital. Die beiden Welten sind für dich nicht zwei, digital-first oder print-first sind für dich in der Sache einerlei. Du liebst die Entwicklung, aber auch, danach Aufträge eigenverantwortlich umzusetzen. Du zeichnest dich durch strategische und operative Erfahrung in der Betreuung und Weiterentwicklung von Kunden bei Editorial-Fragen aus. Du kennt visuelle Trends und Entwicklungen in Content Marketing und Kommunikation (Print und digital).

Das hast du im Gepäck

  • Abgeschlossenes Grafikdesign- oder Kommunikationsdesign-Studium
  • Lust auf ein junges, humorvolles und motiviertes Team, das sich gemeinsam den Kommunikations­herausforderungen der nächsten Jahre stellt
  • Mind. 3 Jahre Berufserfahrung, idealerweise in einer Agentur
  • Hohe Affnität zu digitalen Medien
  • Du bist Präsentationsstark
  • Du hast Pitcherfahrung

Was wir dir bieten

  • Wunderbare Kollegen, mit denen du viel Spaß hast
  • Schnell Verantwortung für große Projekte und Unterstützung bei eigenen Ideen
  • Agiles Arbeiten und Flexibilität bei der Arbeitszeiteinteilung und ein eigenes Notebook für das Arbeiten im Home Office
  • Div. Mitarbeitervergütungen von Gratisgetränken über Massagen oder Yoga bis hin zum Dienstrad
  • Sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten

Der Weg

Bewerbungen bitte per Mail (Betreff: AD 2018-01 DA) inkl. Arbeitsbeispiele und Gehaltsvorstellungen an: das-klingt-nach-meinem-job@profilwerkstatt.de

Source:: designmadeingermany.de

Nassauer Hof – Corporate Design mit Charakter

HNH_designmadeingermany7

Mehr Bilder…

Ein echtes Grandhotel der heutigen Zeit – das 5-Sterne-Superior-Hotel Nassauer Hof ist seit 1813 ein unwiederbringliches Charakterstück in Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden. Es steht für Wertschätzung und Leidenschaft und ist zugleich das Wohnzimmer Wiesbadens als auch das „Urban Retreat“ für Gäste aus aller Welt. Das neue Corporate Design unterstreicht diese Werte und die Persönlichkeit des Hotels.

Beim Redesign des Logos hat die Münchner Kommunikations- und Werbeagentur Balleywasl* auf eine Wiedererkennbarkeit der bekannten Hotelmarke geachtet und sich deshalb gemeinsam mit dem Kunden für einen dezenten, eindrucksvollen Refresh entschieden. Die Wort-Bild-Marke wurde aufgeräumt und entzerrt, typografisch modernisiert und erhält durch ein frisch-dezentes Farbkonzept eine moderne Optik, bleibt dabei dennoch elegant und traditionell – passend zum Haus. Dunkle, gedeckte Farbtöne (Schwarz, Grau und Anthrazit) harmonieren perfekt mit einem frischen Orange/Kupferton.

Hochwertige Veredelungen verzaubern Tast- und Sehsinn: Bei den Visitenkarten – kaschiert aus dunklem, durchgefärbtem Naturpapier auf extrasmoothem, hellem Gegenpart – werden mit Heißfolienprägung, partiellem UV-Lack und einem Farbschnitt in Kupfer ganz gezielt haptische und optische Highlights gesetzt. Im gesamten visuellen Auftritt liegt der Fokus auf elegantem, modernem Design, gepaart mit traditionellen Veredelungstechniken. Einzigartig, edel und mit Charakter – wie das Hotel selbst.

Agentur
Balleywasl

Source:: designmadeingermany.de

Flexible Visuelle Identitäten – Teil 3 von 4

In dieser vierteiligen Artikelserie behandelt Martin Lorenz die Fragen: Was ist eine visuelle Identität? Wodurch zeichnet sich eine zeitgenössische visuelle Identität aus? Ist ein Logo eine visuelle Identität? Wodurch gewannen die flexiblen visuellen Identitäten an Popularität? Sind flexible visuelle Identitäten wirklich neu? Wie könnten flexible visuelle Systeme typologisiert werden?

Teil 1Teil 2Teil 3

Sind Flexible Visuelle Identitäten wirklich neu?

Die von Neville untersuchten FVI wurden zwischen den Jahren 2002 und 2010 entwickelt. In genau dieser Zeit gab es auch einen Anstieg in FVI 1, aber gab es davor keine FVI?

Obwohl die Anwendung einer FVI in der Prä-Internet Ära oder sogar Prä-Bewegtbild Ära, aufwendiger und kostspieliger war, so kann man doch viele Beispiele flexibler visueller Systeme in der Designgeschichte und dessen verwandter Disziplinen finden. Um diesen Artikel nicht übermäßig in die Länge zu ziehen, beschränke ich mich auf die Mutter des Designs, die Typografie.

Die Systematisierung von Formen (oder Zeichen) ist so alt wie die geschriebene Sprache. In dem Buch Der Mensch und seine Zeichen. Schriften, Symbole, Signete, Signale 3 stellt Adrian Frutiger das Yì Jīng vor. Es wurde 3000 v. Chr. entwickelt und ist somit eines der ältesten uns bekannten Zeichensysteme. Die Zeichen des Yì Jīng bestehen aus sechs übereinander angeordneten horizontalen Linien, die durch eine Lücke unterbrochen werden können oder ganz bleiben. Dadurch entstehen 64 verschiedene Zeichen. Jedem Zeichen wurde eine Bedeutung zugeordnet. Die Kombination der Zeichen sollte Zukunft vorhersehen.

Abb. 16. Yì Jīng, 3000 v. Chr. Quelle: Wikipedia [Angesehen am 1.1.2017]

Das Raster der Zeichen des Yì Jīng ist einfach. Ein wesentlich komplexeres Raster können wir in der Arbeit von Aldus Pius Manutius (1449–1515) finden. Peter Burnhill untersuchte in seinem Buch Type spaces: in-house norms in the typography of Aldus Manutius 4 die typografischen Normen Aldus Manutius‘ und konnte komplexe Raster entdecken, die auf eine enge Zusammenarbeit mit Francesco Griffo, seinem Stempelschneider schließen ließen. Die Normen des Aldus Manutius sind zeitgenössischen Rastersystemen in vielen Dingen ähnlich, so zum Beispiel die modulare Abmessung von Positiv- und Negativraum.

Abb. 17. Burnhill, P 2003, Type spaces: in-house norms in the typography of Aldus Manutius © Hyphen Press, London

Während meiner Forschungen zu meiner Doktorarbeit 5 entdeckte ich hunderte visueller Systeme in der Geschichte der Typografie. In vielen Fällen wurden die visuellen Systeme genutzt, um visuelle Identitäten zu schaffen. Viel interessanter als die Frage, ob FVI neu sind, ist die Frage was wir von unseren Vorgängern lernen können.

Durch die Kategorisierung der visuellen (typografischen) Systeme nach ihrer Funktion und Funktionsweise, hoffte ich Parallelen zu zeitgenössischen, visuellen Systemen in FVI zu finden. Die Funktion, also die Aufgabe des Systems, hat einen direkten Einfluss auf die Funktionsweise des Systems, also dessen Mechanismus. Ich kann deshalb nicht das eine ohne das andere erläutern. Da die Funktion des Systems aber oft durch effizientere technische Neuerungen obsolet geworden ist, werde ich mich in diesem Artikel auf die Funktionsweise konzentrieren.

Das Manual

Die (Re-)Konstruktion einer Schrift erlaubt dessen akkurate Reproduktion. Design Manuals, auch wenn sie nicht immer so hießen, gibt es seit ein Designer ein Design eines anderen Designers anzuwenden hatte und der Designer des Originals nicht zugegen war, um es persönlich zu erklären. Das Design Manual ist also nichts weiter als eine Anleitung wie etwas zu gestalten ist. Oft helfen geometrische Konstruktionen, wie Raster, die genaue Größe und Position der Design-Elemente zu bestimmen. 500-Jahre-alte Design Manuals haben genau das gleiche gemacht. Albrecht Dürer (re-)konstruierte romanische Versalien und gothische Minuskeln in seinem Buch Of The Just Shaping Of Letters 6 aus dem Jahr 1525. Dürer schreibt in der Widmung an seinen Patron und Freund Wilibald Pirckheimer, dass das Buch nicht nur Malern, sondern auch Goldschmieden, Bildhauern, Steinmetzen und Tischlern zu Nutze sein soll, schlicht allen, die wissen wie man mit einem Zirkel und einem Lineal umgeht.

Abb. 19. Modular construction of the gothic minuscle letters by Dürer, 1525

Eines der am besten dokumentierten Design Manuals sind die Konstruktionszeichnungen der Romain du Roi. Die Romain du Roi wurde für die königliche Druckerei des Sonnenkönigs, König Louis XIV von einem vierköpfigen Komitee im Jahre 1692 entwickelt.

Laut Luc Devroy, Professor an der School of Computer Science, McGill University, Montreal, Canada, basiert die Konstruktion auf einem Quadrat, das wiederum in 64 Quadrate unterteilt wurde. Jedes dieser kleineren Quadrate wurde dann nochmals in 36 kleinere Quadrate unterteilt, um ein Rastersystem mit 2304 quadratischen Modulen zu schaffen. Das Raster half die Position der geometrischen Formen zu ermitteln, mit denen die Buchstaben konstruiert wurden. Die Definition der Buchstaben durch ein quadratisches Raster und geometrische Formen ließen Devroy die Romain du Roi als „den ersten digitalen Font, oder zumindest die erste mathematisch definierte Schrift“ 7 bezeichnen. Wie schon zuvor erwähnt, wurde das Manual der Romain du Roi benutzt, um eine exklusive Schrift für die königliche Druckerei des Königs Louis XIV herzustellen. Alle Glyphen in allen Schriftgrößen wurden anhand dieses Manuals geschnitten. 8 Es sollte allen Publikationen der Imprimerie royale 9 eine exklusive und kohärente Gestaltung ermöglichen. In seiner Essenz ist dieser Gedanke, auch der Gedanke einer VI.

Abb. 20. Romain du Roi: Construction of the letters „A“ and „B“, 1692–1695

Abb. 21. The typeface was used for the first time in the book “Médailles sur les principaux énvenémens du règne” by Louis-le-Grand from 1702.

„Nichts desto trotz, …“ behauptet Frank Blokland 10, Gründer der Dutch Type Library, „… waren diese Beschreibungen in der Renaissance und im Barock absolut, d.h. sie beschrieben und definierten bestimmte Buchstabenformen mit Umrissen, die durch Zirkel und Lineal geschaffen wurden. Die verschiedenen Muster, der im Grunde gleichen Versalien, entworfen von Feliciano und Konsorten, später die von Jaugeaon’s Komitee für die romanische Schrift, sind keine allgemeingültigen Modelle, um zugrundeliegende Strukturen zu beschreiben. Ihre Absicht war es, spezifische Konstruktionsmethoden für spezifische Buchstabenformen zu schaffen.“ Blokland benennt hier den Unterschied zwischen einem Design Manual, wie die Romain du Roi, und einem Programm, das allgemeingültige Regeln beschreibt. 11

Es liegt in der Natur des Manuals, dass es einfach zu verstehen und zu benutzen ist. Das bedeutet oft auch eine Vereinfachung der Gestaltung. Konstruierte Schriften, wie die serifenlosen Schriftmuster aus dem 19. und 20. Jahrhundert für Schildermaler, zeigen eine starke Vereinfachung der Buchstaben. Dies macht es leichter, die Schriften zu reproduzieren, bedeutet aber auch einen Qualitätsverlust der Definition der Buchstaben.

Abb. 22. Manual für Schildermaler von C. E. Fetzer, 1871–1872 © Collection Albert-Jan Pool

Laut Albert-Jan Pool, Designer der FF DIN 12 führten solche Design Manuals zu der Entstehung der normierten Schrift, DIN 1451.

Pool zufolge wurde die DIN 1451 im Jahr 1931 von dem Deutschen Institut für Normung (DIN) veröffentlicht. 1936 wurde die DIN 1451 die offizielle Schrift für die deutschen Wegweiser, Verkehrs- und Straßenschilder, sowie die Beschriftung der Luftschutzbunker. DIN 1451 ist das Resultat geometrischer Konstruktion. Sie hat wenig typografische Finesse. 1995 gestaltete Albert-Jan Pool eine verfeinerte Version der DIN 1451, die FF DIN, welche von FontShop herausgegeben wurde. Im Gegensatz zur DIN 1451 hat die FF DIN optische Korrekturen und flüssigere Kurven, bewahrt aber die Ästhetik einer konstruierten Schrift.

Abb. 23. Manual der DIN 1451, Autor unbekannt, 1927 © DIN

Laut Pool geht der Gebrauch konstruierter, serifenloser Schriften in Deutschland auf die Beschriftungen der Preußischen Bahn zurück. Sie setzte damals einen Trend. Informationsschilder wurden nicht länger als Kunstwerke betrachtet, sondern als rein funktionale Informationsquellen. Pool behauptet, dass jedes zusätzliche Ornament als eine Erschwerung der Lesbarkeit angesehen wurde. Dies sei auch der Grund, so Pool, warum die Beschriftung im öffentlichen Raum in Deutschland sich um die Jahrhundertwende von den Frakturschriften abgewendet und den serifenlosen Schriften zugewandt hat.

Abb. 24. Detail eines Beschriftungsmusters der Preußischen Bahn, 1897 © Albert-Jan Pool

Konstruierte Schriftentwürfe sind bei zeitgenössischen FVI weit verbreitet. Die Modularität erlaubt es ihnen zum einen eine formale Kohärenz zwischen allen Zeichen herzustellen, zum anderen aber auch ohne weiteres neue Zeichen hinzuzufügen, sowie Piktogramme. Ein Beispiel hierfür ist die Schrift Normetica des Schweizer Designbüros Norm, aus der die FVI des Flughafens Köln-Bonn von der Agentur Ruedi Baur entwickelt wurde.

Abb. 25. Konstruktion der Schrift „Simple“, gestaltet von Norm, und der Piktogramme für den Flughafen Köln-Bonn, gestaltet vom Büro Integrale Ruedi Baur, Paris und Zürich.

Die Schablone

Design Manuals haben die Absicht, eine akkurate Reproduktion eines Designs, so zum Beispiel einer Schrift, zu ermöglichen. Doch fast jedes Manual lässt Freiraum für Fehlinterpretationen, sei es durch eine unrealistische Vorlage, wie bei der Romain du Roi, einer unverständlichen Vorlage oder einem eigensinnigen Gestalter, der sich nicht an die Regeln der Vorlage halten möchte.

Fehlinterpretationen sind bei Schablonen nicht möglich. Eine Schablone erlaubt es auch dem Ungelernten und Ungeübten schnell und einfach eine professionelle Beschriftung anzubringen. Er braucht keinen Zirkel und kein Lineal. Eine Rekonstruktion der Vorlage ist nicht nötig. Das Einzige, das er braucht, ist eine Schablone. Allerdings braucht er die Schablone in der richtigen Größe. Während das Design Manual die proportionale Vergrößerung oder Verkleinerung voraussetzt, entspricht die Größe der Schablone der Anwendung. Schablonen gibt es deshalb in vielen verschiedenen Größen. Damit die Schablonen nicht unhandlich wurden, gab es in der Geschichte der Schablonenschriften einige interessante Erfindungen.

Laut Erik Kindel patentierte im Jahr 1876 Joseph A. David ein Schablonen-System für Schildermaler, die Plaque Découpée Universelle. 13 Mit dieser Universal-Schablone war man in der Lage alle Klein- und Großbuchstaben, sowie die Nummern, die Interpunktion und alle Akzente zu zeichnen. Zwar musste man zuerst lernen, sich in dem komplexen Raster der Plaque Découpée Universelle zurechtzufinden, man hatte aber dafür den Vorteil, nur eine verhältnismäßig kleine Schablone zu benötigen.

Abb. 26. Plaque Découpée Universelle von J.A. David, 1876 © Hyphen Press, London

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert, so Albert-Jan Pool, entwickelte Georg Bahr, Berufsschullehrer aus Charlottenburg/Berlin, ein neues Beschriftungswerkzeug. Es hatte die Form und Größe eines Lineals und kam mit einem passenden Stift. Der Benutzer musste das Lineal bewegen, um komplette Buchstaben zeichnen zu können. Es dauerte eine Weile, um ein ganzes Wort zu schreiben, die Schablone war aber dafür handlich und kostengünstig. Laut Pool patentierte Bahr das „Kurvenlineal zum Aufzeichnen von Schriftzeichen“ im Jahr 1909. Ein Jahr später verkaufte er es allerdings schon wieder an seine Freunde Paul Filler und Oscar Fiebig. Filler und Fiebig gründeten eine Firma, die den „Bahr’schen Normographen“ produzierte und verkaufte. Der zu einem späteren Zeitpunkt entwickelte „Standardgraph“ war eine Schablone mit einem kompletten, ausgezeichneten Alphabet. Der Standardgraph wurde so erfolgreich, dass Filler und Fiebig die Firma 1967 in Standardgraph Filler & Fiebig GmbH umbenannten. Bis heute produziert die Firma ein großes Sortiment an Schablonen, hauptsächlich für technische Zeichnungen.

Abb. 27. Bahr’scher Normograph, Schriftenlineal aus dem Jahr 1909. © 1971, Standardgraph

Das zeitgenössische Äquivalent für eine Schablonengestaltung sind FVI, die auf Permutationen eines Zeichensystems beruhen, wie zum Beispiel Wikipedia von Moving Brands 14 aus dem Jahr 2011, MAIO von TwoPoints.Net von 2011 oder das TextielMuseum und das TextielLab von Raw Color 15 von 2013. Man könnte aber auch Parallelen zu den „Schablonenentwürfen“ von MTV von Manhattan Design von 1981, City of Melbourne von Landor Associates, New York City von Wolff Olins oder art collection fund von Base ziehen, bei denen die äußere Form der Buchstaben gleichblieben, der Inhalt sich aber so veränderte, als ob man mit mehreren Stiften in der Schablone herum gemalt hätte.

Abb. 28. Wikipedia, Moving Brands, 2011

Abb. 29. MAIO, TwoPoints.Net, 2011

Abb. 30. TextielMuseum, Raw Color, 2013

Der Baukasten

Die Anzahl der Design Elemente zu reduzieren ist nicht nur, wie im Falle der Schablone, eine praktische Frage. Die Reduktion vereinfacht auch die Ästhetik, stärkt die Harmonie des Gesamtbildes, macht die einzelnen Elemente erkennbarer und erhöht dadurch die Wiedererkennbarkeit. Selbst bei einer neuen Anordnung der Elemente bleibt das System stabil. Die Robustheit der Baukasten-Systeme, macht sie besonders beliebt bei FVI, die auf Identifizierbarkeit angewiesen sind. Baukasten-Systeme waren und sind aber vor allem bekannt als Kinderspielzeug.

Künstler wie Josef Albers und Architekten wie Frank Lloyd Wright wurden als Kinder von Friedrich Fröbels Baukasten inspiriert, das behauptet zumindest der Autor des Buches Inventing Kindergarten, Nils Brosterman. 16 Fröbel (1782–1852), der Erfinder des Kindergartens, entwickelte die „Fröbels Spielgaben“ zur Erziehung von Kindern. Die zehn Spiele der Original-Spielgaben bestanden hauptsächlich aus geometrischen Holzobjekten. Jedem dieser Spiele war eine Nummer zugeordnet, die Aufschluss über das geeignete Alter des Kindes und damit den Schwierigkeitsgrad des Spieles gab. Jedes Spiel hatte ein anderes pädagogisches Ziel. Von rationalem Denken über die Mathematik, bis hin zur Sprache. Interessant im Zusammenhang mit dem Thema dieses Artikels ist aber das systematische Denken, das Fröbel in den Typografen, Designern, Künstlern und Architekten der Moderne geweckt haben könnte. Auch wenn dieser Einfluss nie nachgewiesen wurde und bei einer Behauptung blieb, so ist der konstruktive Gedanke des Baukasten-Systems doch in der Moderne nicht zu übersehen. Man schaue sich nur die Schriften an, die am Bauhaus gestaltet wurden.

Abb. 31. Bilder aus Brosterman, N 1997, Inventing Kindergarten, Harry N. Abrams, New York;

Laut Pool wurde Soennecken, ein deutscher Bürobedarfs-Hersteller, im Jahr 1875 von Friedrich Soennecken gegründet. Im Jahr 1913 entwickelte die Firma einen Baukasten, um Grundschulkindern das Schreiben beizubringen. Der Baukasten enthielt sieben Bauelemente aus denen die Kinder Großbuchstaben konstruieren sollten. Ein Raster half die Elemente richtig zu positionieren.

Abb. 32. Soenneckens‘ Schriftsystem für Grundschüler, 1913 © Collection Albert-Jan Pool

Nicht für Kinder, aber auch ein Baukasten, ist die Kombinationsschrift von Josef Albers. In Sonderdruck: aus Bauhaus, Zeitschrift der Gestaltung, Nr. 1, Januar 1931 stellt Albers die „kombinationsschrift 3’“ vor. Der größte Vorteil dieses Schriftsystems, laut Albers, sind die Einsparungen, die man durch sie machen kann. Die Schrift kann aus nur drei Elementen konstruiert werden, im Vergleich zu einer früheren Version, für die man noch 10 Elemente brauchte. Die drei quadratischen Kegel 17 waren ein Quadrat, ein Viertelkreis und ein voller Kreis. Mit nur drei Elementen war Albers in der Lage 72 verschiedene Glyphen zu konstruieren. Albers argumentiert, dass die Reduzierung der Elemente im Satzkasten auf nur drei Kegel dem Drucker half Platz zu sparen. Außerdem verhinderte die einfache Form die ungleiche Abnutzung der Kegel und verbesserte deren Langlebigkeit, insbesondere wenn die Formen mit Holz, Glas, Karton, Papier oder Neonröhren produziert wurden. Ein weiterer Vorteil der Kombinationsschrift soll die Berechenbarkeit der Zeilenlänge gewesen sein. Dies sei bis dato nur mit einer Schreibmaschine möglich gewesen. 18

Abb. 33. Broschüre um Josef Albers‘ Kombinationsschrift, produziert von der Metallglas Aktiengesellschaft Offenburg-Baden, zu bewerben, 1930

Der Artikel, den Josef Albers im Jahr 1931 über die Kombinationsschrift veröffentlichte, ist von großem Interesse für diesen Artikel. Albers demonstriert in diesem die Flexibilität des Systems. Der Baukasten ist in der Lage mit nur drei Elementen, nicht nur 27 Glyphen zu konstruieren, sondern auch bis zu vier verschiedene Variationen der Glyphen und 12 verschiedene Schriftschnitte.

Abb. 34. Artikel von Josef Albers über die Kombinationsschrift, Sonderdruck: aus Bauhaus, Zeitschrift der Gestaltung, 1931

Die Funktionsweise des Baukastens ist dem Baukasten den Mevis + van Deursen für die European Capital of Culture 2001 19, TwoPoints.Net für Banjo Music in 2008, Lava Design für idtv 20 im Jahr 2008 und Pentagram für nyc und mit Media Lab 21 in 2011 entwickelt haben, ähnlich.

Das Programm

Der Begriff „Programm“ wurde durch den Schweizer Grafiker, Künstler und Autoren Karl Gerstner in die Welt des Grafik-Designs eingeführt. Gerstner, der bedauerlicherweise am 1.1.2017 verstorben ist, war meines Wissens der erste, der flexible visuelle Systeme auf Corporate Identities angewandt und dabei völlig auf den Gebrauch von Logos verzichtet hat. In dem Buch Die Formen der Farben 22 schaffte Gerstner einen interdisziplinären Überblick über die Geschichte der Farb- und Formsysteme. Er stellte Systeme aus der Mathematik, der Physik, der Bildhauerei und der Malerei vor und zeigte damit, wie reich die Geschichte an visuellen Systemen ist, aber auch wie wenig von ihnen in unserer Disziplin angekommen ist. Besonders beeindruckend war für mich die Analyse und Weiterentwicklung eines visuellen Systems einer marokkanischen Kachelmanufaktur. Der Besitzer des Familienbetriebes schenkte Gerstner bei einem seiner Aufenthalte in Marokko ein Muster, das Gerstner benutzte, um eine Vielzahl an Grafiken zu erstellen. Er erkannte das flexible visuelle System und machte es sich zunutze, um eine zeitgenössische Auslegung zu schaffen.

Abb. 35. Kamal Alis Pattern. Formsystem für eintausend und ein Bild, Karl Gerstner, 1959 © 2007 Lars Müller Publishers

1964 schrieb Gerstner das Buch Programme entwerfen 23, das meiner Ansicht nach bis heute das beste Buch über FVS ist.

Während es die konkreten Formen sind, die die zuvor beschriebenen Typen (das Manual, die Schablone und der Baukasten) ausmachten, so ist es bei dem Programm der Prozess, der die Formen erzeugt. Also anstatt Formen zu entwerfen, entwirft Gerstner Systeme, die Formen entwerfen oder wie Gerstner sagen würde „statt Lösungen für Aufgaben, Programme für Lösungen“.

Ulrike Felsing zitiert Gerstner in dem Buch Dynamic Identities in Cultural and Public Contexts: „Eines Tages stellte ich fest, dass es keinen Sinn macht Signets zu entwerfen und diese dann irgendwo zu platzieren. Das Design an sich muss den Platz des Signets 24 einnehmen.“ Die in dem Buch Programme Entwerfen von Gerstner gezeigten und entworfenen FVI (Boîte à Musique, Blech Electronic Centre und Holzäpfel) illustrieren diese Aussage von Gerstner. Sie sind einfach wiederzuerkennen, ohne ein Logo zu brauchen. Der Verzicht auf das Logo scheint sie sogar flexibler und konsequenter zu machen.

Abb. 36. Holzäpfel, Karl Gerstner, 1959 © 2007 Lars Müller Publishers

Abb. 37. Boîte à Musique, Karl Gerstner, 1959 © 2007 Lars Müller Publishers

Gerstner beschränkt sich in seinem Buch nicht auf Grafik-Design, sondern zeigt auch FVS aus der Literatur, Architektur, Städteplanung, Typografie, Fotografie, Kunst und Musik. Das Programm ist bei allen die Systematisierung des Prozesses.

Eines der interessantesten Beispiele für flexible visuelle Systeme oder Programme, wie Gerstner sie nennt, sind die Fotoserien der Autos. Die Autos selber verändern sich nicht, aber die Perspektive aus der sie fotografiert wurden. Die Vielseitigkeit der Bildsprache oder Flexibilität des Systems entsteht durch die sich ändernde Perspektive. Der kontrollierte Perspektivwechsel, sowie das gleichbleibende Objekt bei gleichbleibender Beleuchtung sorgen für die visuelle Kohärenz und somit für die Wiedererkennung der visuellen Sprache.

Abb. 38. Zwei Seiten aus dem Buch Designing Programmes von Karl Gerstner, die fotografische Systeme illustrieren. © 2007 Lars Müller Publishers

Nicht das Objekt selber zu ändern, sondern die Perspektive aus der es angesehen wird, ist eine seltene Herangehensweise bei der Entwicklung einer FVI. Trotzdem gibt es einige FVI, die sich eines solchen Systems bedienen, wie zum Beispiel die FVI für nai 26 von Bruce Mau aus dem Jahr 1993 und die FVI für ovg Real Estate 27 von Studio Dumbar von 2011. Ein weiteres interessantes Beispiel ist die FVI von Moving Brands für Swisscom 28 von 2007. Ein dreidimensionales Objekt dreht sich um die eigene vertikale Achse und erzeugt so eine Vielzahl von zweidimensionalen Bildern, je nach Position des Objekts. Das Objekt ist laut Moving Brands so programmiert worden, dass seine Form auf Geräusche, Bewegung, Internet Traffic oder Konsumentenverhalten reagieren kann.

Abb. 39. NAi, Bruce Mau Design, 1993

1 Während meiner Forschungen zu meiner Doktorarbeit über flexible visuelle Systeme im Grafik-Design fand ich 159 FVI die zwischen 2000 und 2011 veröffentlicht wurden. Während es im Jahr 2000 noch 5 FVI waren, so waren es im Jahr 2004 schon 18 FVI. Als flexibel wurde eine VI angesehen, wenn sie sich nicht nur flexibel den verschiedenen Kommunikationsmitteln angepasst hat, sondern darüber hinaus eine Vielfalt an möglichen Optionen geboten hat.

2 … das älteste und ich wage zu behaupteten, wichtigste Werkzeug der visuellen Kommunikation.

3 Frutiger, A 2001, Der Mensch und seine Zeichen. Schriften, Symbole, Signete, Signale, Fourier Verlag GmbH, Wiesbaden.

4 Burnhill, P 2003, Type spaces: in-house norms in the typography of Aldus Manutius, Hyphen Press, Londres.

5 Lorenz, M 2016, Sistemas visuales en identidades dinámicas, Tesis Doctoral, Universitat de Barcelona, Departament Disseny i Imatge, Barcelona, Spanien

6 Albrecht Dürer To Wilibald Pirckheimer, Of The Just Shaping Of Letters, From The Applied Geometry Of Albrecht Dürer Book, Dover Publications, Inc. New York; Übersetzt von R. T. Nichol aus dem der lateinischen Ausgabe von Mdxxxv (1535); Quelle: Gutenberg [Angesehen am 1.1.2017]

7 Luc Devroye, McGill University Montreal, Canada; Quelle: Luc Devroye [Angesehen am 1.1.2017]

8 Fred Smeijers schreibt in seinem Buch „Counterpunch“ von 1996, „… Schrift, die mit Hilfe von Lineal und Kompass auf einem Raster konstruiert wurde, kann nur dann funktionieren, wenn sie von dem Designer ausgeführt wird, der sie auch entworfen hat und das Raster benutzt hat, um schneller zu arbeiten, nicht um sie rationaler und angeblich besser zu machen.“ Smeijers verwies damit auf die unmögliche Aufgabe, sehr kleine Buchstaben aus Stahl zu schneiden, die auf einem sehr feinen Raster entworfen worden sind, wie die Romain du Roi.

9 Nachdem die Imprimeurs du roi pour le Grec (königlich griechische Drucker) von François I im Jahr 1538 gegründet wurde, wurde sie von Kardinal Richelieu im Jahr 1640 in Imprimerie royale umbenannt. Nachfolgende Regierungen nannten sie die Imprimerie de la République, dann die Imprimerie impériale, die Imprimerie royale und letztendlich die Imprimerie nationale.

10 Diese Aussagen stammen von Frank E. Blokland’s blog „http://lettermodel.org/“ welches Notizen zu Bloklands Forschungsarbeit für seine Doktorarbeit On the Origin of Patterning in Movable Latin Type. Renaissance standardization, systematization, and unitization of textura and roman type. an der Leiden University enthält. Blokland’s Dissertation wurde im Oktober 2016 erfolgreich verteidigt.

11 Der von Frank Blokland angestellte Vergleich bezog sich auf den Unterschied zwischen der geometrischen Konstruktion spezifischer Buchstaben und der Konstruktion auf den historischen Rastersystemen seines Schriftgestaltungsprogramm LeMo. „Der LetterModeller (LeMo) ist auch ein Forschungsinstrument für die Untersuchung der Beziehungen zwischen verschiedenen graphemen Systemen, harmonischen Systemen (unterteilt in verschiedene harmonische Modelle), proportionale Systeme (unterteilt in verschiedene proportionale Modelle), relationale Systeme und rhythmische Systeme …. Es konzentriert sich auf die graphemen Systeme für Großbuchstaben, die handgeschriebene Minuskel und die kursive Minuskel (noch nicht eingebaut) im Einsatz seit der italienischen Renaissance, und die morphologisch verwandten handschriftlichen Minuskeln aus dem späten Mittelalter (Textura und Rotunde, um präzise zu sein). Die aktuelle Version von LeMo unterstützt nicht die flexible Spitzfeder, aber das ist nur eine Frage der Zeit.“ Quelle: Lettermodel [Angesehen am 1.1.2017]

12 Albert-Jan Pool’s Aussagen basieren auf der Forschungsarbeit im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität von Leiden. Pool untersucht konstruierte serifenlose Schriften aus Deutschland. Quelle: FontFont [Angesehen am 1.1.2017]

13 Eric Kindel: „The ‘Plaque Découpée Universelle‘: a geometric sanserif in 1870’s Paris“, Typography Papers 7, Hyphen Press, Reading, 2007

14 Quelle: Moving Brands [Angesehen am 1.1.2017]

15 Quelle: Raw Colour [Angesehen am 1.1.2017]

16 „… die moderne Kunst und Architektur vieler moderner Künstler, lässt sich durch die Erziehung die ihre Schöpfer in den Fröbel Kindergärten erfahren haben, erklären. Er (der Autor des Buches über Fröbels Kindergärten) vergleicht die außergewöhnlichen Schöpfungen der Fröbel Kinder mit den Gemälden von Georges Braque, Piet Mondrian, Paul Klee und Wassily Kandinsky, und sieht außergewöhnliche Parallelen zwischen den Kunstwerken der Kinder und den Kubisten.“ David Elkind (New York Times, 1997) über Brosterman, N 1997, Inventing Kindergarten, Harry N. Abrams, New York; Quelle: New York Times [Angesehen am 1.1.2017]

17 Die Kegel mussten quadratisch sein, ansonsten hätte man sie nicht frei drehen können.

18 Albers scheint Gutenbergs Bibel zu vergessen. Gutenberg ließ sich höchstwahrscheinlich nicht ohne Grund von der klar strukturierten Textura inspirieren, um seine Kegel schneiden zu lassen. Dass der Textura innewohnende Raster ermöglichte es, die Buchstaben in Gruppen verschiedener Breiten einzuteilen und somit ohne große Schwierigkeiten die Länge einer Zeile zu berechnen.

19 Quelle: Design Museum [Angesehen am 1.1.2017]

20 Quelle: Lava [Angesehen am 1.1.2017]

21 Quelle: Pentagram [Angesehen am 1.1.2017]

22 Gerstner, K 1991, Die Formen der Farben. Über die Wechselwirkungen der visuellen Elemente, Athenaeum Vlg., Bodenheim

23 Gerstner, K 1964 Programme entwerfen, statt Lösungen für Aufgaben, Programme für Lösungen, Lars Müller Publishers, Zürich; third edition 2007

24 Auch wenn die Wörter „Signet“ und „Logo“ einen anderen Ursprung und damit eigentlich auch andere Bedeutung haben sollten, werden die Wörter „Signet“ und „Logo“ oft synonym verwandt.

25 Felsing, U, Design 2 context, ZHdK. 2010. Dynamic Identities in Cultural and Public Contexts. Lars Müller Publishers, Baden.

26 Quelle: Bruce Mau Design [Angesehen am 1.1.2017]

27 Quelle: Studio Dumbar [Angesehen am 1.1.2017]

28 Quelle: Moving Brands [Angesehen am 1.1.2017]

Source:: designmadeingermany.de

Welches Buch liest du gerade? Wie liest du es am liebsten?

Seit einiger Zeit verändern sich die Medien auf denen wir lesen, Zeitungen und Bücher werden nicht mehr nur auf Papier gelesen sondern auf E-Book-Readern und Smartphones. Wir haben uns gefragt wie sich das Lesen in diesem Umfeld verändert und wie die Zukunft des Lesens aussieht. Dazu haben wir ein paar Gestalter gefragt.

Joachim Baldauf
Fotograf

Ich lese immer mehrere Bücher parallel. Im Moment sind das Susan Sontag „On Photography“ und Morus „Die Enthüllung der Zukunft“.

Beides ganz klassisch als gedruckte Bücher. Dann stöbere ich noch online zum Thema künstliche Intelligenz und kaufe mir entsprechende Bücher. Bin im Moment ganz versessen darauf.

Frank Berzbach
Autor

Arne Reimer: American Jazz Heros. Vol. 2, JAZZ thing Verlag, Köln: 2016. Der Fotograf hat Hausbesuche bei Jazz-Legenden gemacht, hervorragende Texte darüber geschrieben und großartige Fotografien gemacht jenseits der Klischees. Ich tauche in diesen Band (wie auch in den ersten) völlig ein, ein inspirierender Genuss und zugleich auch die Vorbereitung für Texte über Jazz, die ich in der nächsten Zeit schreiben werde.

Ich lese ausschließlich Bücher, Magazine und Zeitungen auf Papier. Ich kann mich darauf besser konzentrieren, mag die Haptik und den Geruch von Papier, schätze das Buch als Objekt und genieße die Abwechslung zur Arbeit am Computer. Ich werden beim Lesen sehr ruhig und klar, bekomme Ideen und lerne aus Büchern.

Antonia M. Cornelius
Schriftgestalterin und Grafikdesignerin

Ulrich Schnabel: Muße. Vom Glück des Nichtstuns. Blessing Verlag, 2010.

Am liebsten lese ich Bücher aus Papier, mit E-Books konnte ich mich noch nicht anfreunden. Mir ist es wichtig, ein Buch als Ganzes zu erleben, mit Format, Papier, Umfang und Gestaltung. Hörbücher höre ich aber sehr gerne, wenn ich etwas am Rechner vektorisiere oder Fotos bearbeite.

Judith Drews
Illustratorin

Ich habe immer mehrere Bücher gleichzeitig auf meinem Tisch. Zur Zeit ist es ein amüsanter Mix, wenn ich es mir genauer ansehe: David Bowie – Die Biographie, Die von DIE ÄRZTE autorisierte Biographie, Kurze Notizen zu tropischen Schmetterlingen von John Murray, 100 years of tattoos, Tommy Tatze von Axel Scheffler, Abris von Emmanuelle Houdart und ein selbstgezeichnetes Pixibuch meiner großen Tochter für ihre kleine Schwester!

Bücher lese ich immer noch am liebsten gedruckt, auf schönem Papier und gerne illustriert. Ich mag das Umblättern der Seiten, das Verwenden von Lesezeichen und das Buch als Objekt. In der Realität ist es jedoch zur Zeit so, dass wenig Zeit mit wachen Augen bleibt zum Lesen und ich aus diesem Grund gerne während des Zeichnens auf Hörbücher zurück greife.

Zum Glück gibt es in diesem Bereich großartige Umsetzungen mit Sprechern, denen man gerne über Stunden zuhört.

Johannes Erler
Gründer von ErlerSkibbeTönsmann

Ich muss jeden Tag lesen. Abends im Bett ein Buch. Sonst kann ich nicht einschlafen. Im Moment ist das „89/90“ von Peter Richter. Ein sehr lustiges und intelligentes Buch über den letzten Sommer in der DDR aus Sicht eines 15jährigen. Davor 950 Seiten „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Harter Stoff über das Leben eines missbrauchten Jungen.

Und ich lese tatsächlich immer noch am liebsten und ausschließlich Bücher aus Papier. hab ich mir so angewöhnt. Nichts gegen eBooks.

Robert Eysoldt
Creative Consultant bei Zerooverhead Consulting

Ich lese gerade KULTUR von Terry Eagleton. Darin macht Eagleton die Kultur als prägenden Aspekt unseres Menschseins aus und spannt den Bogen von Klassikern wie Johann Gottfried Herder und Oscar Wilde bis ins heutige Hollywood.

Ich lese sehr gerne echte Bücher. Zu Hause und auch auf Reisen. An eBooks konnte ich mich nicht gewöhnen, was sehr wahrscheinlich auch daran liegt, dass mein kompletter Arbeitstag vor einem Bildschirm stattfindet. Wiederentdeckt habe ich die Podcasts. Dann aber lieber Formate wie SERIAL und keine klassischen Hörbücher.

Johanna Höflich
Grafikdesignerin

„Überbitten“ von Deborah Feldmann. Eine ganz interessante biografische Geschichte über den Ausbruch aus einer streng-gläubigen jüdischen Gemeinschaft. Inhalt super. Einband leider in Leinen-Optik, statt echtem Leinen, da war ich etwas enttäuscht als ich das Buch aus der Buchhandlung abgeholt habe.

Ich schlafe am besten, wenn ich vorher Papierbücher lese. E-Books lese ich ganz selten, wenn mir das Buchobjekt selbst nicht am Herzen liegt und ich froh bin, wenn es nicht bei mir rumliegt. Hörbücher gerne, um mich auf langen Autofahrten nicht zu langweilen. Aber da steige ich nie so tief ein wie beim Lesen.

Daniel Kuhlmann
Fotograf

Samuel Beckett: Wünsch Dir nicht, daß ich mich ändere: Briefe 1957–1965

Definitiv Papier. Keine störende Elektronik. Bleistift und ein haptisches Gedächtnis, wenn man etwas sucht.

Martin Lorenz
Grafikdesigner und Gründer von TwoPoints.net

„Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things“ von William McDonough, Michael Braungart. „Weltentwerfen – Eine politische Designtheorie“ von Friedrich von Borries und „Kaninchen ist sooo müde“ von Axel Scheffler und Julia Donaldson

Bücher aus Papier.

Nora Marleen
Illustratorin

„Schwarz“ aus der Reihe „Der dunkle Turm“ von Stephen King (wahrscheinlich zum vierten Mal, mittlerweile.) „Der rasende Reporter“ von Egon Erwin Kisch

In Papierform, am allerliebsten im Softcover, da man diese Bücher guten Gewissens malträtieren kann. In Hörbuchform konsumiere ich ausschließlich Heinz Strunk-Werke, diese auch mindestens ein mal pro Woche zum Arbeiten, da sie eine konzentrationsfördernde Wirkung auf mich haben. Ich schätze es aber auch sehr, wenn auf WDR5 mal wieder etwas vorgelesen wird.

Franziska Parschau
Community Relations Manager, Adobe

Ich lese gerade Juli Zehs „Leere Herzen“.

Es gibt unterschiedliche Lesarten bei mir: Zeitungen – nur im Browser, online; Bücher: nur Paperback oder Hardcover; ich lese keine eBooks und Hörbücher höre ich eigentlich sehr selten. Mir geht es beim BUCHlesen vor allem darum, mich aktiv aus der Welt auszuklinken, nichts machen und mich in neue, andere Welten hineinbegeben. Magazine lese ich auch nicht mehr, da mir meist zu wenig Neues erscheint, zu viel kurze Texte und Bilder. Ab und zu kaufe ich mir das Magazin „Reportagen“.

Daniel Perraudin
Grafikdesigner und Schriftgestalter

„Deutschstunde“ von Siegfried Lenz. Ein Buch, das ich schon sehr lange lesen wollte. Letztens habe ich dann eine sehr schöne, schlichte Hardcover-Ausgabe auf dem Flohmarkt gefunden und seitdem begleitet es mich.

Das kommt immer darauf an … Kurze schnelle Informationen hole ich mir im Netz bei Spiegel Online oder der Tagesschau App. Für längeres Lesen bevorzuge ich ganz klar die gedruckte Form, allein schon weil ein gedrucktes Buch eine ganz andere haptische Qualität hat: der Einband, die Covergestaltung, die Papierfarbe und -temperatur, das suchende Vor- und Zurückblättern, das Stöbern, die Möglichkeit seine Lieblingsstellen zu markieren und am Ende lauter kleine Post-Its über das Buch verteilt zu haben. Dazu kommt, dass Menschen mit einem „richtigen“ Buch in der U-Bahn angenehm auffallen gegenüber all der anderen, die nur stumpf in ihr Smartphone starren.

Rüdiger Quass von Deyen
Design Director und Gründer von KD1 FH Münster

Zur Zeit lese ich „Der Zelot“ von Reza Aslan. Vielleicht hat es mit der Jahreszeit zu tun … aber eigentlich liegt es schon eine Weile bei mir und ich habe endlich mal Zeit dafür.

Am liebsten lese ich tatsächlich analoge Bücher. So ein Generationsding? Keine Ahnung. Richtig ist, ich kann dann einfach sehen, wie weit ich in dem Buch vorankomme und habe eine letzte Seite. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Erlebnis beim Lesen.

Ulrike Rausch
Schriftgestalterin LiebeFonts

Ich lese meistens mehrere Bücher parallel je nach dem, wo ich mich gerade befinde. Im Bett vor dem Schlafen lese ich gerade „Zen and the Art of Motorcycle Maintenance“ von Robert M. Pirsig. Wenn ich auf der Couch sitze nehme ich mir meistens Fachbücher vor. Zur Zeit ist das zum einen »Welt aus Schrift“ und dann noch „Thinking, Fast and Slow“ von Daniel Kahneman. Die dritte Lesestation ist dann die U-Bahn oder auch manchmal das Wartezimmer. Hier hole ich dann gerne das Magazin „ZEIT Wissen“ in analoger Form aus der Tasche oder ich schaue, was ich für interessante Artikel in der Leseliste meines Handys gespeichert habe.

Ich lese schon noch sehr gerne analog aber oft siegt bei mir auch der Pragmatismus und dann freue ich mich, dass das Kindle so viel weniger Platz im Reisegepäck wegnimmt und eine breitere Auswahl bei Titeln in Originalsprache für mich bereithält.

Katrin Rodegast
Paper Art & Illustration

Ich höre gerade als Hörbuch „Der große rote Sohn“ von David Foster Wallace, gelesen von Moritz von Uslar.

Ich höre am liebsten Hörbücher, weil ich dies auch sehr gut bei der Arbeit tun kann. Auch zum Einschlafen finde ich Hörbücher perfekt. Im Urlaub greife ich aber zu echten Büchern aus Papier. eBooks lese ich nicht, weil ich digitales Lesen – nach einem Arbeitstag am Computer – für die Augen als anstrengend und unübersichtlich empfinde.

Raban Ruddigkeit
Designer, Autor und Gründer von Brousse & Ruddigkeit

Wer fürchtet den Tod von Nnedi Okorafor, ein afrikanischer Phantasy-Horror-Schmöcker und immer wieder parallel das Daudedsching von Laudse in einer Reclam-Ausgabe von 1978.

Ich lese – nachdem ich eBooks & Hörbücher durchaus getestet habe – nur noch Softcover-Ausgaben. Die kann ich neben das Bett schmeißen, vor die Tür legen & Eselsohren reinmachen .-)

Jürgen Siebert
Marketing Director Monotype

Keines.

Wenn, dann gedruckt.

Marc Thiele
Gründer und Organisator von Beyond Tellerrand

Gerade lese ich „Twitter and Tear Gas – The Power and Fragility of Networked Protest“ von Zeynep Tufekci.

Ich lese am liebsten noch auf Papier, weil ich mir hier Notizen an die Seite des Buches machen kann und ich irgendwie – ganz altmodisch – darauf stehe, wenn Bücher eine gewisse Patina bekommen, wenn man sie liest. Dennoch lese ich ab und zu auch am Kindle, der vor allem praktisch ist, wenn man im Urlaub ist.

Source:: designmadeingermany.de